Digitalisierung und Digital Transformation einfach erklärt
Digital Transformation – das ist ein Begriff, die nicht nur in der SAP-Welt stark vielerorts ans Schallgebälk wandet. Doch wird dieser Begriff häufig missverstanden. Viele begreifen Digital Transformation als „eCommerce & Online Shopping“, „Social Media“, „Web 2.0“, „IoT“, „Big Data“ und „Industrie 4.0“. Also viele begreifen die Digital Transformation als die Integration verschiedener technologischer Buzzwords aus dem Technologiesektor. Doch ist genauer gesagt noch keine Digital Transformation, sondern lediglich digitising („Digitalisierung“).
Fangen wir mit dem Begriff Digitalisierung an. Digitalisierung bezeichnet vor allem die Übertragung weitgehend nicht digital abgewickelter Prozesse in die digitale Welt. So ist etwa eine Website im Web 2.0 häufig die Digitalisierung von Einwurfsendungen und Anzeigenschaltungen. Online-Shops wie Amazon sind bereits die Digitalisierung des Telemarkting-Versandhandel, bspw. also von QVC in seinen Anfangsjahren. Jedoch werden wir uns wohl alle einig sein, dass der klassische Amazon Online-Shop lange Zeit nicht dazu in der Lage war, den lokalen Lebensmittel-Supermarkt zu ersetzen.
Warum ist das so? Ganz einfach: Im klassischen Versandhandel war es lange nicht möglich, frische und vor allen Dingen tiefgekühlte Ware zu beziehen (Es gab zwar Lieferdienste wie BoFrost & Co., diese hatten allerdings nicht die Vorteile des Paket-Versandhandels wie etwa der bundesweiten Verfügbarkeit oder der Flexibilität bei kurzfristigen Änderungswünschen). Warum war dies nicht möglich? Lag es an der nicht ausgereiften Technologie? Nein, denn wie sie als Leser meines Blogs nun wissen ist es seit geraumer Zeit möglich im Versandhandel tiefgekühlte Ware zu guten Konditionen zhu beziehen.
Die notwendigen Technologien – also die Infrastruktur des Versandshandels, Online-Bestellplattformen, Kühlboxen sowie sonstige Konservierungslösungen für Lebensmittel waren schon lange vorhanden. Problem in diesem Sektor war lange Zeit die nicht vorhandene Service-Strategie verschiedener Online-Händler, sprich es gab keine Infrastruktur und keine Brainware für das Angebot einer solchen Online-Dienstleistung, obwohl es hierfür, wie wir jetzt wissen, einen Bedarf gibt und auch schon lange gab.
Und genau darum geht es bei der digitalen Transformation: Prozesse mit Hilfe von Technologie zu digitalisieren und mit Hilfe einer ausgeklügelten Prozess-Strategie auszuliefern. Diese Digitale Transformation führt häufig dazu, dass diese Prozesse dann technisch automatisiert, dynamisch hoch skaliert und aus der Ferne administriert sowie sicherer gestaltet werden können, was dazu führt, dass diese Prozesse in Zukunft vor allen Dingen schneller und günstiger am Markt angeboten werden können. Digitale Transformation ist grundsätzlich ein Prozess, der schon seit Jahrzehnten von statten geht. So haben beispielsweise ERP-Systeme im Backend und Web 2.0-Bestellplattformen im Frontend dazu geführt, dass der Order to Cash Prozess eines Unternehmens zum Großteil über digitale Technologien abgewickelt wird.

Auch die Bitcoin ist ein perfektes Beispiel für die digitale Transformation unserer Gesellschaft
Jedoch wäre dies nicht möglich gewesen, ohne dass entsprechende Gesetzesgrundlagen und Management-Frameworks zur digitalen Bearbeitung von Finanz- und Kundendaten geschaffen worden wären. Würde der Gesetzgeber etwa immer noch die doppelte Buchführung im Buchformat verlangen, wäre die digitalisierte Abwicklung von Kundenbestellungen bis dato, trotz fortgeschrittener Technologie, ein Traum geblieben. Dank der Schnittstellenbildung von Technologie, Rechtsprechung und betriebswirtschaftlicher Strategie bestellen aber heutzutage mehr und mehr Kunden ihre Produkte und Dienstleistungen nur noch Online über Smartphone, Tablet und Desktop-PCs statt über klassische Bestellwege. Und die organisatorische Abwicklung des Prozesses geschieht zum Großteil in Finanz- und Lagerplanungssystemen des Unternehmens, ohne dass zum Teil auch nur ein Stück Papier bedruckt werden muss. DAS ist Digitale Transformation. Die Technologie dafür deckt also lediglich 1/3 des Geschäftsfeldes ab.
Ein weiteres Beispiel, um den Unterschied deutlich zu machen. Digitalisierung ist, wenn ich als Unternehmer eine Rechnung von einem Lieferanten einscanne, auf meinem PC speichere und mir digital in einem Ordner „Möbel-Lieferungen“ abspeichere, um die Rechnung am Ende des Jahres beim Finanzamt einzureichen. Digitale Transformation wäre, wenn mein Scanner das Dokument nicht nur einscannt, sondern auch gleich verschlüsselt in die ELSTER-Cloud des Finanzamts hochlädt (Automatisierung und Informationssicherheit), den Text der Rechnung per OCR digitalisiert, im passenden Ordner einsortiert und mit Labels versieht, so dass ich das Dokument später per Textsuche wieder finden kann, und anhand der gewonnenen Informationen im Text die entsprechenden Buchungen zum Rechnungseingang in meinen Finanzbuchhaltungs- und Lagerbestands-Systemen durchführt, so dass ich die Rechnung nicht mehr wie bisher jemandem auf den Tisch legen muss, damit er den Inhalt der Rechnung händisch in das System eintippt.
Das heißt hier wurde ein konkreter Prozess definiert (Strategie), den ich dank der Möglichkeit des Finanzamtes, meine Belege in der ELSTER-Cloud zu speichern, anstatt der Papierabgabe nutzen kann (Gesetzgebung) und den ich mit Hilfe von Technologien (OCR, Cloud-Dienste, kryptografische Verschlüsselungsdienste, klassische Bildabtastung eines Scanners, ERP-Systeme) sicher und kostengünstig automatisieren konnte.
Contents
Aktuelle Beispiele für Digital Transformation Projekte
Während wir uns nun diesen Kerngedanken – Automatisierung, Fernwartbarkeit, Skalierbarkeit, Sicherheit und Kosteneinsparung als eine der Main Selling Points für ein Projekt in der Digitalen Transformation im Hinterkopf behalten, widmen wir uns einigen konkreten Beispielen für aktuelle Digital Transformation Bedarfe in unserer Wirtschaft. Die hier geschilderten Beispiele werden zeigen, dass die Digitalisierung sämtliche Wirtschaftszweige treffen wird, darunter öffentliches Transportwesen (Flugverkehr, Speditionsverkehr, Bahn & Taxi), Landwirtschaft, Behördenwesen, Post & Paketzustellung u. v. m.
Weiterhin werden wir feststellen, dass es für die digitale Transformation eines Prozesses eben nicht ausreichend ist, einfach nur aktuelle Technologien auszuhebeln, sondern dass vor allem ein auf Digitalisierung ausgerichteter Strategie- und Verwaltungsapparat aufgebaut werden muss.
BirdX Prohawk UAV – Die Drohne als Ersatz für die Heuschrecke
Vögel verwandeln große Ackerflächen gerne in ein Festbanket. Durch das Fressen von Saatgut zwingen die Wildtiere den Inhaber zum Handeln. Entweder muss nun mehr Saatgut ausgestreut werden, als die Tierchen fressen können – um den selben Ertrag zu erzielen – oder es werden nicht gerade vielversprechende Gegenmaßnahmen wie Glitzerbänder oder eine Vogelscheuche bemüht.

Drohnen ermöglichen die Digitalisierung von Überwachungsprozessen
Und auch die heimische Katze wird dem Schichtdienst irgendwann müde und konzentriert sich lieber auf die einfacher zu fangende Beute im Fressnapf. Damit soll jetzt Schluss sein. Die Prohawk UAV Drohne von BirdX wird als vollautomatisierter Antipod gegen Wildvögel betrieben. Hierbei fliegt die Drohen vollautomatisch zuvor per GPS festgelegte Routen ab und emittiert dabei Geräusche von Raubvögeln. Die Drohne ist updatefähig und kann dadurch ihr Verhalten sowie die emittierten Raubtierlaute verändern.
Yaskawa MotoPick – Verpackungsarbeit automatisiert
Verpackungsarbeit ist nicht nur ein gefährlicher und fehlerbehafteter, sondern auch – bis vor kurzem – ein knochenharter Job. Für einen Around-the-Clock-Verpackungsbetrieb mussten bislang ausgeklügelte Schichtpläne entwickelt werden. Die durch Schichtarbeit zunehmende Übermüdung von Mitarbeitern führt hierbei häufig zu Nachlässigkeiten im sicheren Bedienen der Maschinen, was zu Arbeitsunfällen und somit auch zu vermehrten Ausfällen und gesunkener Arbeitsmoral führt.
All diese Probleme lassen sich durch die Verbindung ausgeklügelter Technologien und geschäftsprozessorientierter Strategieentwicklung beiseite schaffen. Eine der Lösungen, die sich hierzu auf dem Markt befinden, ist beispielsweise MotoPick von Yaskawa. Was unterscheidet die Lösung von klassischen Verpackungsmaschinen, wie wir sie bereits seit den 90ern kennen? Sie nutzen zum einen aktuelle Technologien wie Bilderkennung und OCR, um komplexere Sortierentscheidungen treffen zu können, und sind über eine Software aus der Ferne wartbar.
Zudem ist die Lösung sehr einfach skalierbar, indem sie einfach mehrere Einheiten parallel betreiben, wozu sie früher ganze parallele Produktionsstraßen einrichten mussten. Sie haben das Glück einer rapide gestiegenen Nachfrage und müssen nun auf einmal das doppelte an Durchsatz in der Verpackungsabwicklung erzielen? Nehmen Sie einfach zusätzliche MotoPick-Einheiten in Betrieb.
Falls euch der Name Yaskawa etwas sagt, dann wahrscheinlich wegen dem aktuellen Sword Master Vs Advanced Robot Video auf Youtube.
Digitales Bezahlen auf dem Nova Rock Festival
Auf deutschen Rock-Festivals wirdaktuell (2017) immer noch bar bezahlt. In dieser Hinsicht sind uns die Kollegen aus Österreich schon voraus. Dort erwerben Festival-Besucher zu Beginn gegen einen Pfandbetrag von 5 € eine RFID-fähige Chipkarte. Diese wird nach dem Prepaid-Prinzip über Bar-/EC- oder Kreditkarten-Zahlung aufgeladen.
Die Karte lässt sich nach dem Erwerb über eine Smartphone-App oder online im Webbrowser personalisieren, so dass die Karte eindeutig dem Inhaber zuzuordnen ist. Ist die Karte personalisiert, kann der Inhaber die Karte bei Verlust sperren und sich den Restbetrag nach Abschluss des Festivals auszahlen lassen. In der Zwischenzeit bezahlt der Besitzer an den Getränke-, Catering- und Merchandising-Ständen mit der RFID-Karte.
Dazu hat das Standpersonal ein Smartphone um den Hals, welches über die RFID-Schnittstelle mit der Cashless-Karte kommunizieren kann. Das Smartphone bucht die Zahlung des Kartenbesitzers auf den zentralen Servern des Veranstalters und zeigt den Restbetrag auf der Prepaid-Karte auf dem Display des Smartphones an, damit der Besitzer die Abbuchung kontrollieren kann. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand:
- Es verhindert den auf den Festivals immer wieder vorherrschenden Taschendiebstahl, da die Karte nach dem Diebstahl vom Besitzer gesperrt werden kann und somit für den Dieb wertlos ist
- Überfälle auf Standpersonal, welches abends versucht seine Umsätze zu transportieren, werden nun gegenstandslos. Denn das Personal führt kein Bargeld mehr mit sich. Stattdessen erfolgt die Auszahlung nur noch am Ende des Festivals direkt vom Veranstalter auf dem Bankweg.
- Dadurch wird auch das Unterschieben von Bargeld durch die Mitarbeiter unterbunden. Das heißt aber nicht, dass das Personal auf Trinkgeld verzichten muss. Stattdessen können Festivalbesucher auf freiwilliger Basis dem Standpersonal ein Trinkgeld in 50-Eurocent-Schritten zusprechen, welches der Mitarbeiter dann direkt auf das eigene „Mitarbeiter-Konto“ verbuchen kann.
- Die Abwicklung der einzelnen Verkaufstransaktionen geht schneller von Hand, da kein Bargeld mehr gewechselt werden muss.
Zukünftige Szenarien für die digitale Transformation
Nachdem wir uns nun einige aktuelle Umsetzungen der Digitalen Transformation anhand von konkreten Produkten und Dienstleistungen angesehen haben, werden wir uns einigen zukunftsweisenden Gelegenheiten widmen, welche die Auswirkung der Digital Transformation illustrieren werden.
menschliche Tragearbeit und die Sortierung im Lager mit atlas-ähnlichen Robotern automatisieren
Der Atlas-Roboter sieht auf den ersten Blick wie eine nette schöne Spielerei aus, doch er könnte schon bald einfache Trage- und Sortierarbeiten, beispielsweise am Lager oder an der Baustelle, ersetzen.
Somit wäre es beispielsweise möglich, dass der Roboter auf Kommando (etwa per App) neue Arbeitsmaterialien (wie Zement, Mörtel etc.) heranschafft, oder automatisch vorbepackte Pakete aus einem Lager entnimmt und in einen LKW lädt. Es wäre beispielsweise in der Kombination möglich, diese Pakete zuvor von MotoPick vorbepacken und dann von einem Atlas-Roboter in Regale räumen und verladen zu lassen.
In Verbindung mit einem Hol-Service oder einem autonomen Fahrzeug wäre dann die gesamte Auslieferung eines Produktes von der Verpackung bis zum Transport automatisiert.
Autonome Fahrzeuge werden Car Sharing Netzwerke, Bus & Straßenbahn sowie den LKW-Fernverkehr revolutionieren
Aktuell ist noch keines der autonomen Fahrprojekte wirklich „marktreif“. Jedoch versprechen die kommenden Lösungen einen hohen Grad an Automatisierung.
Im Busverkehr ergibt sich theoretisch die Möglichkeit autonomes Fahren mit Elektromobilität zu vereinen. Proterra hat mit ihrem Catalyst E2 bereits einen Elektrobus gebaut, der im Normalbetrieb eine Strecke von bis zu 600 km zurücklegen können soll. Sofern autonomes Fahren innerstädtisch ohne Fahrer vom Gesetzgeber ermöglicht wird, kann hier die Möglichkeit entstehen, Busse mit großer Personenkapazität, geringer CO2-Belastung und Elektroantrieb auf die Straße zu schicken. Geladen wird hierbei in der Nacht in der Zentrale.

Die Fahrzeuge von Tesla sind bekannt für ihren Autopiloten.
Die Deutsche Bahn und deren Tochter DB Schenker arbeiten zusammen mit MAN am Platooning von LKW-Kolonnen. Nächstes Jahr (2018) soll eine autonome LKW-Kolonne auf einer Teststrecke auf der A9 unterwegs sein. Dies verspricht für Unternehmen die Möglichkeit digitalisierter Speditionstransporte.
Somit wäre es beispielsweise möglich, innerhalb kürzester Zeit Just-in-Time einen Speditions-LKW zu mieten, der kurz nach Produktionsende einer aktuellen Charge auf den Fabrikhof gerollt kommt. Da wir weiter oben schon über die Opportunity der automatisierten Lagerarbeit gesprochen haben, könnte ein Großteil der Charge automatisiert von Atlas-Robotern vorbereitet und nur die letzten Paletten von Menschenhand zur Verladerampe geleitet werden. Durch Schnittstellenanbindung würden sich die LKWs automatisch über die Produktionssteuerung des Unternehmens bestellen lassen.
Car Sharing Netzwerke werden in Zukunft nicht nur städteweit, sondern bundesweit agieren. So wird es beispielsweise in Zukunft möglich sein, sich in München ein autonomes Fahrzeug anzumieten, damit autonom nach Hamburg zu fahren und dort wieder abzugeben. Die Wiederverteilung der Fahrzeuge auf die einzelnen Städte in der Bundesrepublik erfolgt hierbei autonom durch eine Planungssoftware, welche die Fahrzeuge auf entsprechende Fahrten schickt.
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